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Sicherung kritischer Infrastrukturen - Der Behördenfunk in Österreich

Aktualisiert: 22. Feb.

Bild 1 - Notfallübung in den U.S.A.
Bild 1 - Notfallübung in den U.S.A.

Sicherung kritischer Infrastrukturen klingt trocken, ist aber ein Schutzschild unserer Gesellschaft. Stromnetze, Wasserwerke, Krankenhäuser, Rechenzentren, Verkehrssteuerung, Telekommunikation – all das sind die Nervenbahnen unserer modernen Welt. Ein Ausfall und das gewohnte Leben steht still. Dieser Blog taucht tief ein in die Welt vom Österreichischen Behördenfunk.


Wie ist der Behördenfunk in Österreich aufgebaut?


Unter dem Namen BOS Austria (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) ist um die Jahrtausendwende ein digitales Bündelfunksystem aufgebaut worden. Die Dispatcher-Software mit der Möglichkeit Gruppen- und Einzelanrufe, sowie Gruppen- und Einzelnachrichten zu verschicken, wurde damals vom Autor entwickelt.


Die Grundlage des Systems bildet der TETRA-Standard (Terrestrial Trunked Radio), der speziell für Behördenfunkanwendungen entwickelt worden ist. Das TETRA-Funknetzwerk für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste bildet in Österreich heute das sicherheitskritische Rückgrat der behördlichen und organisatorischen Einsatzkommunikation mit einer Netzabdeckung im gesamten Bundesgebiet, selbst in alpinen Regionen. Die TETRA-Infrastruktur mit Notstromversorgungen, redundante Leitungsführungen und gehärtete Vermittlungsstellen sorgen dafür, dass die Kommunikation selbst bei großflächigen Blackouts oder Extremwetterereignissen nicht zusammenbricht. Heute verfügen Streifenpolizisten ebenso wie Feuerwehrtrupps über tragbare Funkgeräte mit erweiterten Funktionen, darunter Direktmodus-Betrieb (DMO), der eine Kommunikation auch außerhalb der Netzabdeckung ermöglicht – etwa in Tunneln oder Untergeschossen.


Die Kommunikation innerhalb des Netzes erfolgt durchgängig verschlüsselt, gerade für den Polizeifunk ist dies wichtig. Zusätzlich erlaubt das System eine Priorisierung von Gesprächen um in kritischen Situationen Notrufe automatisch Vorrang zu gewähren. Die Einsatzleitstellen können über TETRA nicht nur Sprache, sondern auch GPS-Positionsdaten von Einsatzfahrzeugen empfangen. Dadurch entsteht ein dynamisches Lagebild, das eine effizientere Disposition von Ressourcen ermöglicht. Rettungsfahrzeuge können so beispielsweise automatisch zum nächstgelegenen Krankenhaus geleitet werden, während Feuerwehrfahrzeuge alternative Anfahrtswege erhalten, wenn Verkehrsbehinderungen erkannt werden.


Technologisch betrachtet basiert das Netzwerk auf einer zellularen Architektur ähnlich jener moderner Mobilfunknetze, mit sehr hohen Anforderungen an Ausfallsicherheit und Priorisierung. Im Gegensatz zu kommerziellen Netzen wird das BOS-Funknetz auf eigenen Frequenzen betrieben, wodurch es unabhängig ist und auch bei Überlastung beziehungsweise Kollabierung von GSM- oder LTE-Netzen.


TETRA dominiert in Europe, dem Nahen Osten und zum Beispiel Malaysia oder indischen Städten.

Frankreich, Spanien, Schweiz, Tschechien und Slowakei setzen auf Tetrapol, der weniger verbreitete Standard in direkter Konkurrenz zu TETRA, sehr robust, gute Flächenabdeckung und stark verschlüsselt.


Welche anderen einsatzkritischen Funkkommunikationssysteme gibt es?


1. P25 (Project 25) – Nordamerika: Behördenfunksystem in den USA und Teilen Kanadas ist

ein digitaler Bündelfunk ähnlich TETRA mit Fokus auf Sprachkommunikation, sehr starker AES-256-Verschlüsselung, Interoperabilität zwischen Behörden und es funktioniert auch im Direktmodus ohne Infrastruktur


2. DMR (Digital Mobile Radio) – Global

DMR ist ein ETSI-Standard und wird besonders in Asien, Südamerika, Afrika und bei kommunalen Einsatzorganisationen verwendet, weil weniger komplex und somit günstiger ist.


3. LTE-basierte BOS-Netze (Mission Critical LTE)

Immer mehr Länder setzen auf dedizierte 4G/5G-Netze für Einsatzkräfte, zum Beispiel FirstNet in den U.S.A.


4. Hybrid-Systeme:

Folgende Staaten setzen inzwischen auf ein Schmalband (TETRA/P25) für Sprache, Priorisierung von Notrufen und Direct Mode und Breitband (LTE/5G) für Daten, Video, Lagebilder und Cloud-Services:

  • Das ESN (Emergency Services Network) in Großbritannien für die Metropolitan Police ist ein voll-IP-basierts LTE-Netzwerk mit P25 als Fallback.

  • Oder das Safe-Net von Südkorea ist ein 5G-BOS-Netz mit Echtzeit-Video, KI-Auswertung und Smart Dispatching eines der modernsten Einsatzkommunikationssysteme weltweit, mit schmalbandigen Fallback.

  • Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben kombiniert TETRA mit LTE-Testfeldern.


Die globale Entwicklung geht klar in Richtung Hybrid-System mit Smart-Dispatching und Reporting in Echtzeit, Mission Critical Broadband und einem Schmalband-Funksystemen als unverzichtbare Fallbacks.

Wie ist ein Hybridsystem aufgebaut?


Schmalband (TETRA/P25) für Sprache, Notrufpriorisierung und Direct Mode und Breitband (LTE/5G) für Daten, Video, Lagebilder und Cloud-Services.


Mission Critical LTE kann:

✔ Video

✔ Drohnenfeeds

✔ Einsatz-Apps

✔ Telemedizin

✔ Echtzeitdaten


Mobilfunk kann:

✔ Video

✔ große Datenmengen

✔ Apps

✔ Cloud

✔ Echtzeit-Lagebilder

✔ Telemetrie


TETRA kann:

✔ sofortige Gruppenrufe

✔ garantierte Priorisierung

✔ Direct Mode ohne Netz

✔ Extrem hohe Verfügbarkeit


Direct Mode kann:

✔ Abdeckung in Untergeschossen, Tunnellen und bei Ausfall anderer Systeme


Was ist 3GPP MC?


3GPP MC (Mission Critical Services) ist eine Familie von Diensten für die kritische Kommunikation, die von der Standardisierungsorganisation 3GPP (Third Generation Partnership Project) definiert wird. Ihr Ziel ist es, eine hochzuverlässige, sichere und priorisierte Kommunikation für "First Responder", also Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste, sowie für andere kritische Infrastrukturen wie Energieversorger, Verkehrsbetriebe oder die Industrie bereitzustellen.


Das MCX-Portfolio besteht aus folgenden drei Hauptdiensten, die nahtlos zusammenarbeiten:


1.  MCPTT - Mission Critical Push-to-Talk:

  • Die digitale, breitbandige Version der klassischen Sprechfunk-Taste ("Knopfdruck-Kommunikation").

  • Bietet extrem schnellen Verbindungsaufbau (sehr geringe Latenz), hohe Ausfallsicherheit und die Priorisierung von Sprachverkehr im Netz.


2.  MCVideo - Mission Critical Video:

Ermöglicht das Live-Streaming von Videos zwischen Einsatzkräften vor Ort und der Leitstelle und erhöht die Lageübersicht (Situational Awareness), da die Zentrale direkt sehen kann, was am Einsatzort passiert.


3.  MCData - Mission Critical Data:

Ermöglicht den sicheren Austausch von Daten wie Dokumenten, Fotos, GPS-Positionen oder Abfragen aus Datenbanken.So haben Einsatzkräfte schnellen Zugriff auf kritische Informationen (z.B. Grundrisse, Gefahrstoffdaten).


  • Dabei wird das gut ausgebaute 4G/5G-Mobilfunknetz bei gleichzeitiger Garantie der für Einsatzszenarien nötigen Eigenschaften verwendet. Dies wird durch spezielle, im 3GPP-Standard definierte Mechanismen erreicht.


Was sind die entscheidenden Mechanismen von MCX?


  • Priorisierung und Dienstgüte (QoS):


  • MCX-Kommunikation hat in einem zivilen Netz absolute Priorität: Bei einer Netzüberlastung (z.B. während einer Großveranstaltung oder einer Naturkatastrophe) wird der Verkehr der Einsatzkräfte zuerst bedient, notfalls auf Kosten der normalen Nutzer.


  • Niedrige Latenz und hohe Zuverlässigkeit: Insbesondere 5G-Netze liefern die technischen Grundlagen für MCX mit kurzen Reaktionszeiten und sehr hoher Verfügbarkeit.


  • Interoperabilität:  MCX ist ein offener Standard. Das bedeutet, dass Geräte und Systeme verschiedener Hersteller (z.B. von Motorola Solutions, Hytera oder Sepura) nahtlos zusammenarbeiten können.


  • Integration bestehender Systeme:  Der MCX-Standard definiert eine sogenannte Interworking Function (IWF), die eine Brücke zu älteren BOS-Funksystemen (wie TETRA) schlägt. So können die neuen breitbandigen und die alten schmalbandigen Netze parallel betrieben werden, was einen sanften Übergang ermöglicht.


  • Erweiterte Funktionen:  Neben den Basisdiensten bietet MCX umfangreiche Möglichkeiten wie Gruppenkommunikation per Multicast (effiziente Verteilung von Daten an viele Nutzer), Verschlüsselung und Identitätsmanagement.

  • Versionen von MCX bei 3GPP:

    Die Arbeit an MCX bei 3GPP begann mit dem Release 12 und wird kontinuierlich vorangetrieben. Wichtige Meilensteine waren Release 13 (Einführung von MCPTT) und Release 18, das als die kommerzielle Version für 5G gilt. Aktuell wird an Release 20 gearbeitet, und die Forschung für 6G zielt auf eine noch engere Integration von MCX mit Satellitenkommunikation (NTN) und Künstlicher Intelligenz ab.


Wer verwendet MCX eingesetzt?


MCX findet überall dort Anwendung, wo Kommunikation kritisch ist:


  • Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Katastrophenschutz.


  • Im Schienenverkehr ist MCX die technische Basis für das neue, zukünftige Zugfunk-System FRMCS (Future Railway Mobile Communication System), das das heutige GSM-R ablösen wird. Auch für den öffentlichen Nah- und Stadtverkehr ist es relevant.


  • Energieversorger, Bergwerke, Chemieparks oder Flughäfen nutzen MCX für die Werks- und Betriebskommunikation, oft in eigenen, privaten 5G-Netzen.


Was sind die Herausforderungen im Rettungsdienst EMS - Emergency Medical Services?


Die folgende Tabelle stellt die Beziehung zwischen den Anforderungen des Rettungsdienstes (EMS) und den Lösungen von 3GPP MCX dar:


Herausforderung im Rettungsdienst (EMS)

Lösung durch 3GPP MCX

Unvollständige Lagebilder  

MCVideo & MCData für Live-Streaming und Echtzeit-Datenaustausch (EKG, Vitaldaten)  

Ausfall / Überlastung von Netzen 

Priority & Preemption (QoS) , um Rettungskräften stets Vorrang zu geben

Inkompatible Funksysteme (z.B. zwischen Polizei und Rettungsdienst)

Interoperabilität durch einen einheitlichen, offenen 3GPP-Standard  

Zeitkritische Diagnosen (z.B. Schlaganfall)

Telemedizin / Telestroke über sichere Breitbandverbindungen  

Kommunikationsfehler in Ad-hoc-Teams

Strukturierte Datenübertragung und standardisierte Protokolle, die die Basis für klarere Abläufe bilden


3GPP MCX ist die entscheidende technologische Grundlage, um die Rettungsdienste (EMS) von einer sprachzentrierten, störungsanfälligen Kommunikation hin zu einem integrierten, multimedialen und hochzuverlässigen Ökosystem zu führen. Es adressiert direkt die in der Forschung identifizierten Defizite und ist der Schlüssel für mehr Patientensicherheit und effektivere Einsatzabläufe.


MDM - Mobile Device Management:


Im Kontext von 3GPP MCX (Mission Critical Services) und Ihrer vorherigen Frage zu EMS (Rettungsdiensten) bezieht sich MDM in erster Linie auf Mobile Device Management. Es ist die entscheidende technologische Komponente, um die vielen mobilen Endgeräte im Einsatz zuverlässig, sicher und effizient zu verwalten. Wie unsere vorherige Diskussion gezeigt hat, sind Rettungsdienste auf reibungslos funktionierende Technik angewiesen – und genau hier setzt MDM an.


Die Tabelle zeigt die spezifischen Funktionen, wie sie von Anbietern wie Consort Digital oder POCSTARS bereitgestellt werden:

Funktion

Nutzen für Mission-Critical (z.B. Polizei, Rettungsdienst)

Kiosk-Modus

Geräte werden auf die essenziellen Einsatz-Apps beschränkt, um Fehlbedienung im Stress zu verhindern.

Live Device Tracking

Einsatzleiter sehen in Echtzeit, wo sich jedes Gerät (und damit jeder Einsatzkraft) befindet – entscheidend für die Lagedarstellung.

Sicheres App- & Datenmanagement

Kritische Apps und Konfigurationen werden zentral und sicher aufgespielt; Daten auf verlorenen Geräten können aus der Ferne gelöscht werden.

Remote Sperrung / Zurücksetzung

Bei Verlust oder Diebstahl eines Geräts kann es sofort unbrauchbar gemacht werden, um Zugriff auf sensible Informationen zu verhindern.

Betrieb im privaten 5G-Netz

Die MDM-Lösung kann auf eigenen Servern der Behörde betrieben werden, unabhängig von öffentlichen Cloud-Diensten und Internetverbindungen – für maximale Sicherheit und Kontrolle.


MDM ist im Kontext von MCX und EMS die zentrale Administrations- und Sicherheitsinstanz für alle mobilen Endgeräte.


Die Tabelle zeigt die spezifischen Funktionen, wie sie von Anbietern wie Consort Digital oder POCSTARS bereitgestellt werden:

Funktion

Nutzen für Mission-Critical (z.B. Polizei, Rettungsdienst)

Kiosk-Modus

Geräte werden auf die essenziellen Einsatz-Apps beschränkt, um Fehlbedienung im Stress zu verhindern.

Live Device Tracking

Einsatzleiter sehen in Echtzeit, wo sich jedes Gerät (und damit jeder Einsatzkraft) befindet – entscheidend für die Lagedarstellung.

Sicheres App- & Datenmanagement

Kritische Apps und Konfigurationen werden zentral und sicher aufgespielt; Daten auf verlorenen Geräten können aus der Ferne gelöscht werden.

Remote Sperrung / Zurücksetzung

Bei Verlust oder Diebstahl eines Geräts kann es sofort unbrauchbar gemacht werden, um Zugriff auf sensible Informationen zu verhindern.

Betrieb im privaten 5G-Netz

Die MDM-Lösung kann auf eigenen Servern der Behörde betrieben werden, unabhängig von öffentlichen Cloud-Diensten und Internetverbindungen – für maximale Sicherheit und Kontrolle.


MDM ist im Kontext von MCX und EMS die zentrale Administrations- und Sicherheitsinstanz für alle mobilen Endgeräte. Es stellt sicher, dass die hochmodernen MCX-Dienste auf einer verlässlichen, sicheren und stets einsatzbereiten Hardware-Basis aufsetzen können. Ein Rettungsdienst ohne effektives MDM wäre wie ein Feuerwehrauto mit vollem Tank, aber ohne funktionierende Schlüssel für die Ausrüstungsfächer.

DM wäre wie ein Feuerwehrauto mit vollem Tank, aber ohne funktionierende Schlüssel für die Ausrüstungsfächer.



Was kann die SOTI ONE Platform?


SOTI ist ein kanadisches Unternehmen, das 1995 gegründet wurde und heute mit über 17.000 Kunden in mehr als 180 Ländern einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Enterprise Mobility Management (EMM) ist.


SOTI versteht sich selbst nicht mehr nur als klassischer MDM-Anbieter. Die SOTI ONE Platform ist eine integrierte Suite von Lösungen, die darauf abzielt, die Komplexität, Kosten und Ausfallzeiten von geschäftskritischen mobilen Abläufen zu reduzieren. Sie verwaltet über 22 Millionen Geräte weltweit.


Hier sind die Kernkomponenten der Plattform im Überblick:


Produkt

Funktion

Nutzen für Mission-Critical (z.B. Rettungsdienst/Logistik

SOTI MobiControl

Die Enterprise Mobility Management (EMM)-Lösung für das zentrale und sichere Management des gesamten Gerätelebenszyklus.

Ermöglicht den Kiosk-Modus (Geräte auf Einsatz-Apps beschränken), zentrales Ausrollen von Konfigurationen und die Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien

SOTI XSight

Eine Lösung für diagnostische Intelligenz, die eine Fernfehlerbehebung und proaktive Einblicke in die Geräteleistung ermöglicht

IT-Administratoren können Probleme aus der Ferne diagnostizieren und beheben, was die Notwendigkeit vor Ort reduziert und die Ausfallzeiten von Einsatzgeräten minimiert

SOTI Snap

Eine No-Code/Low-Code Plattform zur schnellen und kostengünstigen Entwicklung eigener, geschäftskritischer Apps.

Rettungsdienste können schnell maßgeschneiderte Apps für Datenerfassung, Checklisten oder spezifische Einsatzprotokolle erstellen, ohne tiefgehende Programmierkenntnisse zu benötigen

SOTI Connect

Eine Lösung für das Management von IoT-Geräten, wie z.B. Druckern, Scannern oder anderen Peripheriegeräten 

Stellt sicher, dass alle Geräte im Ökosystem (z.B. Etikettendrucker im Lager des Einsatzfahrzeugs) konfiguriert, überwacht und betriebsbereit sind

SOTI Insight

Ein Business-Intelligence-Tool, das Analysen zur Nutzung von Apps, Geräten und zum Mitarbeiterverhalten liefert

Bietet wertvolle Daten, um Ineffizienzen zu erkennen, Workflows zu optimieren und die Gesamtproduktivität der mobilen Flotte zu steigern



Die Plattform wird kontinuierlich weiterentwickelt. Auf der jüngsten Konferenz SOTI SYNC 25 wurden wichtige Neuerungen vorgestellt, die für unsere Diskussion um EMS und kritische Infrastruktur hochrelevant sind:


  • Stella, der KI-gestützte Assistent:  Stella ermöglicht es IT-Administratoren, über einfache Sprachbefehle oder Konversationen schnell auf wichtige Informationen über ihre Geräteflotte zuzugreifen und Probleme zu beheben. Dies beschleunigt die Problemlösung und entlastet knappe IT-Ressourcen.

  • Integration von SOTI XSight mit ServiceNow:  IT-Teams können nun die erweiterten Diagnosetools von SOTI XSight direkt innerhalb von ServiceNow nutzen. Das beschleunigt die Reaktionszeiten und minimiert gerätebedingte Ausfallzeiten im Feld.

  • Verbesserter Geräte-Lockdown:  Ein neues Drag-and-Drop-System ermöglicht es, rollenbasierte Geräteerfahrungen schnell zu erstellen und den Zugriff für Einsatzkräfte auf die absolut notwendigen Apps und Tools zu beschränken. Die Authentifizierung kann per QR-Code oder NFC-Tag erfolgen, um Schichtwechsel zu beschleunigen.



Welche Aufgaben haben OSS - Operations Support Systems und BSS - Business Support Systems?


OSS (Operations Support Systems) und BSS (Business Support Systems) sind die unverzichtbaren "Backend"-Plattformen, die den zuverlässigen Betrieb von hochkomplexen, missionskritischen Netzen wie MCX überhaupt erst ermöglichen.


Man kann sie sich als zwei Seiten derselben Medaille vorstellen:


  • OSS (Operations Support Systems):  Das sind die Werkzeuge für die Techniker und Netzbetreiber. Die Rolle von OSS ist es das Netz im Auge zu behalten.

  • BSS (Business Support Systems):  Das sind die Werkzeuge für die Verwaltung und den Kunden. Sie verwalten Teilnehmer, Abrechnung und Produkte.




Ein spezialisierter MCX-OSS-Überbau erfüllt dabei drei Hauptaufgaben:


  • Überwachung und Fehlermanagement (Fault Management):  Es überwacht permanent den Zustand aller Komponenten – von den Servern bis zu den Software-Diensten. Treten Probleme auf (z.B. ein abgestürzter Dienst oder eine überlastete Verbindung), werden sofort Alarme (SNMP-Traps) generiert, damit diese behoben werden können, bevor sie den Einsatz beeinträchtigen.

  • Leistungsmanagement (Performance Management):  Es sammelt kontinuierlich Daten zur Netzleistung, wie z.B. die Anzahl aktiver Nutzer, Erfolgsquoten von Gruppenrufen oder die Auslastung der Ressourcen. Diese Daten sind entscheidend, um Engpässe zu erkennen und die Netzqualität sicherzustellen.

  • Bereitstellung und Konfiguration (Provisioning & Activation):  Hier werden neue Nutzer, Gruppen oder Endgeräte im System angelegt und konfiguriert. Wenn ein neuer Rettungswagen mit Tablets ausgestattet wird, geschieht die Freischaltung und korrekte Einrichtung über diese OSS-Funktionen.


Technisch gesehen kommuniziert OSS mit der MCX-Plattform über standardisierte Schnittstellen und Protokolle wie SNMP (einfaches Netzwerkverwaltungsprotokoll) , REST-APIs (moderne Programmierschnittstellen) oder den Austausch von Datendateien. So ist eine Integration in bestehende Netzwerk-Management-Systeme (NMS) möglich.


Die Rolle von BSS: Die Geschäftslogik verwalten


Während OSS sich um die Technik kümmert, ist BSS für die Nutzung des Netzes und die Teilnehmer zuständig. In einem reinen Behördennetz mag die Abrechnung (Billing) eine geringere Rolle spielen, aber sobald mehrere Organisationen (Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst) oder sogar kommerzielle Nutzer (z.B. eine Flughafenfeuerwehr) auf derselben Plattform arbeiten, wird BSS unverzichtbar. Es verwaltet:


  • Teilnehmer und Berechtigungen:  Wer darf das Netz nutzen? Welche Dienste (MCPTT, MCVideo) stehen ihm zu? Diese Informationen werden im BSS gepflegt und an die OSS-Systeme zur technischen Umsetzung weitergegeben.

  • Abrechnung und Nutzungsnachweise:  Auch wenn nicht jeder Anruf einzeln berechnet wird, müssen oft Nutzungsdaten für interne Verrechnungen oder zur Erstellung von Einsatzberichten festgehalten werden. BSS-Systeme sammeln dafür sogenannte Call Detail Records (CDRs).

  • Mandantenfähigkeit (Multi-Tenancy):  Moderne MCX-Plattformen sind darauf ausgelegt, viele voneinander getrennte Organisationen (Mandanten) zu bedienen. BSS stellt sicher, dass die Daten und Konfigurationen der einzelnen Organisationen strikt isoliert bleiben.


Die Verschmelzung von OSS und BSS im MCX-Kontext


In der Praxis verschwimmen die Grenzen oft, und man spricht von OSS/BSS-Integration. Für einen zuverlässigen MCX-Betrieb ist diese Integration entscheidend. Hier sind einige konkrete Beispiele aus der Industrie, die zeigen, wie OSS/BSS unsere bisherigen Themen verbindet:


  1. Nahtlose Bereitstellung (Provisioning):  Wenn ein neuer Mitarbeiter im Rettungsdienst eingestellt wird, legt die Personalabteilung ihn im BSS an. Dies löst automatisch einen Prozess im OSS aus, der sein Funkgerät (das über MDM wie SOTI verwaltet wird) konfiguriert, ihm die richtigen MCX-Gruppen zuweist und seine Berechtigungen setzt. Der Nutzer muss das Gerät nur noch einschalten.

  2. Carrier-Grade Integration:  Anbieter wie Hytera werben bei ihrer neuen MCX-Plattform explizit mit der "tiefgreifenden Integration in Carrier-BSS/OSS-Systeme“. Das bedeutet, ihre Lösung ist darauf ausgelegt, sich nahtlos in die bestehenden Verwaltungssysteme großer Netzbetreiber oder Behörden einzufügen.

  3. SLA-Überwachung (Service Level Agreements):  Behörden schließen mit Netzbetreibern Verträge ab, die eine bestimmte Netzverfügbarkeit (z.B. 99,999%) garantieren. OSS-Systeme überwachen diese Leistungswerte (KPIs) und erstellen Berichte. Wenn die vereinbarte Qualität nicht erreicht wird, liefern die OSS-Daten den Beweis dafür.



MDM (wie SOTI) verwaltet das einzelne Endgerät. OSS/BSS verwaltet das gesamte Ökosystem, in dem dieses Gerät arbeitet. OSS stellt sicher, dass die Netzinfrastruktur für den MCX-Gruppenruf bereitsteht, und BSS stellt sicher, dass der Nutzer überhaupt berechtigt ist, an diesem Ruf teilzunehmen.


Die Interworking Function (IWF), wird über OSS/BSS verwaltet. Die Nutzerdaten aus dem alten System müssen in das neue Übertragen und korrekt zugeordnet werden – eine klassische OSS/BSS-Aufgabe.



Was ist IMS - IP Multimedia Subsystem?


IMS ist die Schaltzentrale für alle multimedialen Kommunikationsdienste. Es ist die technische Grundlage, ohne die moderne Dienste wie MCPTT, MCVideo und MCData in LTE/5G-Netzen nicht realisierbar wären.



IMS ist ein standardisiertes, architektonisches Framework (definiert von 3GPP), das es ermöglicht, Multimedia-Dienste (Sprache, Video, Daten) über ein reines IP-Netzwerk (Internet Protocol) bereitzustellen. Denken In modernen 4G/5G-Netzen gibt es keine leitungsvermittelte Welt (Circuit Switched) mehr für Telefonie. Alles ist "Packet Switched" – also Datenpakete. IMS ist die intelligente Ebene darüber, die diesen Datenpaketen eine Dienstqualität zuweist, Sitzungen steuert und die Interaktion mit den Teilnehmern verwaltet.


Für unsere Diskussion über Mission Critical Services (MCX) ist IMS ausfolgendem Grund absolut zentral: MCPTT, MCVideo und MCData bauen auf der IMS-Infrastruktur auf. Sie sind im Kern IMS-Anwendungen, die spezielle, hochpriorisierte Funktionen erhalten.


Die wichtigsten Komponenten von CSCF Call Session Control Functions:


  • P-CSCF (Proxy-CSCF):  Der erste Anlaufpunkt für das Endgerät (z.B. das Funkgerät des Rettungsdienstes) im Netz. Er nimmt die Verbindung entgegen und leitet sie weiter.

  • S-CSCF (Serving-CSCF):   Das "Gehirn" der Sitzungssteuerung. Er ist für die Registrierung des Nutzers zuständig, hält die Verbindung mit dem Teilnehmerprofil (vom HSS) und routet die SIP-Anfragen (Session Initiation Protocol) zu den entsprechenden Diensten (wie dem MCPTT-Server).

  • I-CSCF (Interrogating-CSCF):  Der "Empfangschef" für Verbindungen von außerhalb des eigenen Netzes. Er fragt beim HSS nach, welcher S-CSCF für einen ankommenden Nutzer zuständig ist.

  • HSS (Home Subscriber Server):  Die zentrale Teilnehmerdatenbank. Sie enthält alle relevanten Informationen: Wer ist der Nutzer? Welche Dienste (MCPTT, MCVideo) darf er nutzen? Wie ist sein Profil für die Priorisierung? .



Wie verbindet IMS die missionskritischen Anwendungen mit der Netzinfrastruktur verbindet?

Komponente / Thema

Rolle im Ökosystem

Verbindung zu IMS

MCX (MCPTT, MCVideo, MCData)

Die Anwendungen für die Einsatzkräfte.

Läuft auf Basis von IMS; nutzt IMS als Träger für Signalisierung und Medien.

EMS (Rettungsdienste)

Der Nutzer und seine Anforderungen.

EMS-Personal profitiert von der hohen Verfügbarkeit und Priorisierung, die IMS (via MPS) ermöglicht.

MDM / SOTI

Verwalten das Endgerät (Device).

Stellt sicher, dass das Endgerät korrekt für die IMS- und MCX-Dienste konfiguriert ist.

OSS/BSS

Verwalten das Netz und die Geschäftslogik (Betrieb & Teilnehmer).

OSS überwacht die IMS-Komponenten, BSS verwaltet die Teilnehmerdaten, die im HSS (einem IMS-Kernelement) gespeichert sind

IMS

Die zentrale Dienststeuerungsplattform für alle Multimedia-Sitzungen

IST DER KNOTENPUNKT. Authentifiziert Nutzer (via HSS/Cx) , steuert Sitzungen (CSCF) und setzt Prioritäten (MPS/SIP)


IMS ist die Schaltzentrale, die sicherstellt, dass ein MCPTT-Gruppenruf nicht nur als Datenpaket im Netz landet, sondern als priorisierte, authentifizierte und korrekt geroutete Kommunikationssitzung behandelt wird. Ohne IMS gäbe es keine standardisierte Grundlage für die hohen Anforderungen an Sicherheit und Priorisierung, die wir von MCX erwarten.



Gesamtsystem


Am Grund unseres Modells steht die physische Netzinfrastruktur (4G/5G). Hier werden die Datenpakete transportiert. Eine entscheidende Komponente auf dieser Ebene ist die Interworking Function (IWF), die wie eine Brücke zwischen den modernen MCX-Netzen und den bestehenden, oft noch jahrzehntelang genutzten TETRA-BOS-Funksystemen verbindet. Sie ermöglicht einen sanften, kostenschonenden Übergang und schützt die milliardenschweren Investitionen der Vergangenheit.


Moderne missionskritische Kommunikation ist kein einzelnes Produkt, sondern ein tief integriertes System von Systemen und verbindet:


  1. Bewährte, offene Standards (3GPP, IMS, SIP, MCX) für Interoperabilität und Zukunftssicherheit.

  2. Hochentwickelte Endgeräteverwaltung (MDM/SOTI) für die operative Zuverlässigkeit im Feld.

  3. Leistungsfähige Betriebs- und Geschäftssysteme (OSS/BSS) für den reibungslosen Netzbetrieb.

  4. Eine zentrale Steuerungsebene (IMS), die Priorisierung, Sicherheit und Dienstgüte (QoS) für die kritischen Anwendungen (MCX) gewährleistet.


Erst das perfekte Zusammenspiel all dieser Komponenten ermöglicht es einem Rettungsdienst (EMS), sich voll und ganz auf seine eigentliche Aufgabe zu konzentrieren: das Leben zu retten.



 
 
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