Ist SPICE immer nur eine Geschmacksache ?

Im Englischen bedeutet das Wort „spice“ nichts anderes als „Gewürz“. Jedoch „SPICE“, also ein bisschen anders, mit großen Buchstaben geschrieben, bezieht sich auf einen internationalen Standard mit Anwendung in der Automotive-Industrie.


Genau gesagt Automotive SPICE (Software Process Improvement and Capability Determination) ist ein Qualitätsstandard zur Bewertung von Unternehmensprozessen aus Sicht der Prozesssicherheit und Qualität – eingeführt, um die Qualität der Softwareentwicklung in der Automobilbranche bewerten, vergleichen und verbessern zu können. Es ist eine domänenspezifische Variante des internationalen Standards ISO/IEC 15504 (SPICE). Der Zweck von Automotive SPICE ist die Bewertung der Leistungsfähigkeit der Entwicklungsprozesse von Steuergerätelieferanten in der Automobilindustrie.


Der Eigentümer der Marke Automotive SPICE in den USA, der EU und in der Schweiz ist der Verband der Automobilindustrie (VDA).


Für die Durchführung von konformen Automotive SPICE-Assessments gelten in aktueller Version die Anforderungen aus ISO/IEC 33020:2019 (vormals ISO/IEC 15504-2), z. B. hinsichtlich der Kompetenz des leitenden Assessors, der Erstellung von Eingabedokumenten, der durchzuführenden Aktivitäten, der Erstellung von Ausgabedokumenten und der umfassenden Dokumentation des gesamten Assessment-Prozesses. Die notwendige Qualifikation des leitenden Assessors kann durch Zertifizierung nachgewiesen werden.


Im deutschsprachigen Raum existieren zwei Qualifizierungsschemata:

· INTACS (International Assessor Certification Scheme),

· IntRSA (International Registration Scheme for Assessors).


In Zuge von weiteren Integrationsanstrengungen innerhalb vom deutschen Sprachraum haben sich die deutschen Automobilhersteller Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen im Rahmen der Hersteller Initiative Software (HIS) auf einen gemeinsamen Umfang der in einem Assessment zu betrachtenden Prozesse geeinigt. Ursprünglich war der Umfang dieser Initiative als HIS-Scope benannt, aktuell wird der Name „VDA Scope“ (Verband der Automobilindustrie) verwendet.


Der VDA Scope umfasst folgende Prozesse:

· ACQ.4 Supplier Monitoring

· SYS.2 System Requirements Analysis

· SYS.3 System Architectural Design

· SYS.4 System Integration and Integration Test

· SYS.5 System Qualification Test

· SWE.1 Software Requirements Analysis

· SWE.2 Software Architectural Design

· SWE.3 Software Detailed Design and Unit Construction

· SWE.4 Software Unit Verification

· SWE.5 Software Integration and Integration Test

· SWE.6 Software Qualification Test

· SUP.1 Quality Assurance

· SUP.8 Configuration Management

· SUP.9 Problem Resolution Management

· SUP.10 Change Request Management

· MAN.3 Project Management


In Hinblick auf Software Entwicklung die folgende Prozesse sind anwendbar:

· SWE.1 Software Requirements Analysis

· SWE.2 Software Architectural Design

· SWE.3 Software Detailed Design and Unit Construction

· SWE.4 Software Unit Verification

· SWE.5 Software Integration and Integration Test

· SWE.6 Software Qualification Test


Eine Softwareentwicklungsfirma ist SPICE-konform (bzw. VDA-Scope konform), wenn sie bei Entwicklungsprozess oben genannte Prozesse erfüllt. Einen Erfüllungsgrad kann in Rahmen von einer Auswertung (Audit) durch einen unabhängigen Auditor verifiziert werden.


Anschließend, zu im Titel stehende Frage zurückgehend, ist die Antwort auf diese Frage einfach: für Eine Firma, die für die Automobilindustrie Software entwickelt, ist SPICE eine Notwendigkeit um „im Spiel“ zu bleiben.


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